12.04.2019

Autonome grenzüberschreitende Mobilität in Schengen getestet

Foto: Luxinnovation

Autonomes und vernetztes Fahren eröffnet völlig neue Perspektiven für die Mobilität von morgen. Allerdings gibt es noch Hürden zu überwinden, insbesondere für selbstfahrende Fahrzeuge, die in mehreren Ländern unterwegs sind. Am 3. April trafen sich hochrangige Politiker, Forscher und Industrievertreter in Schengen, um die ersten Live-Demos autonomer Autos mit dem digitalen grenzüberschreitenden Testfeld zu sehen, das die drei Länder verbindet.

"Die neuen Technologien des autonomen und vernetzten Fahrens werden radikale Veränderungen mit sich bringen und die Mobilität revolutionieren", sagte der stellvertretende Vizepremier- und Wirtschaftsminister Étienne Schneider auf dem "Digital Cross-Border Testbed Project Day" am 3. April. "Es ist von größter Bedeutung, dass diese neuen Formen der Mobilität überall in Europa und über die Grenzen hinweg funktionieren."

Die Herausforderungen sind vielfältig: Merkmale wie Straßennetze, Verkehrszeichen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und -regeln sind von Land zu Land unterschiedlich, und die Systeme zur Datenerfassung und -übertragung sind nicht identisch. Im Hinblick auf die Notwendigkeit, Tests in einem grenzüberschreitenden Umfeld durchzuführen, haben Frankreich, Deutschland und Luxemburg das digitale Testfeld eingerichtet, das den Süden Luxemburgs mit Metz in Frankreich und Merzig in Deutschland verbindet.

Es bietet Entwicklern von vernetzten und autonomen Fahrzeugen und damit verbundenen Mobilitätsdiensten die Möglichkeit, Versuche auf offenen Straßen unter realen Bedingungen durchzuführen. Das Testgelände umfasst Grenzübergänge, Tunnel und hochdichten Verkehr zu Spitzenzeiten aufgrund der sehr hohen Zahl von Grenzgängern. "Heute wollen wir Ihnen einige konkrete Projekte vorstellen, die das Testfeld bereits nutzen oder in Kürze starten werden", erklärt Anthony Auert, Manager des Luxemburger AutoMobility Clusters bei Luxinnovation.

Der Projekttag wurde im luxemburgischen Dorf Schengen, dem Geburtsort der offenen Grenzen Europas, organisiert. "Wir senden heute aus Luxemburg eine Botschaft an die Welt: Die EU kann das autonome Fahren schnell in die Praxis umsetzen", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Eine ausgereifte Technologie

Die technologische Entwicklung vollzieht sich zügig, und es wird erwartet, dass bis 2030 Autos zur Verfügung stehen werden, die nur noch in Ausnahmesituationen menschliche Eingriffe erfordern. Es folgen Autos, die bis 2035 zu 100% selbstfahren. "Ich bin jedoch überzeugt, dass wir die ersten autonomen Shuttlebusse und Taxis viel früher bekommen werden", sagte François Bausch, luxemburgischer Minister für Mobilität und öffentliche Arbeiten.

Minister Bausch wies darauf hin, dass Luxemburg an einer Strategie für Mobility-as-a-Service arbeitet, die darauf abzielt, das Angebot von Zügen, Bussen und Straßenbahnen mit Dienstleistungen autonomer Fahrzeuge zu kombinieren. Luxemburg, das bereits an der Spitze des innovativen Denkens im Bereich der Mobilität steht, wird ab März 2020 als erstes Land der Welt den öffentlichen Verkehr völlig kostenlos anbieten. Die Bevölkerung kann auch mit autonomen Shuttlebussen fahren, die im Rahmen eines Forschungsprojekts in Luxemburg-Stadt und in Contern eingesetzt werden.

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur von Deutschland äussert sich ähnlich zuversichtlich: "Die Mobilität der Zukunft, die beginnt jetzt – und wir sind mittendrin. Auf dem Digitalen Testfeld Deutschland-Frankreich-Luxemburg wird erprobt, was künftig Standard sein wird. Das automatisierte und vernetzte Fahren ist eine absolute Zukunftstechnologie. Sie bietet neue Möglichkeiten für den ÖPNV und die Anbindung ländlicher Gebiete sowie generell für mehr Verkehrssicherheit und Klimaschutz. Die meisten Patente dafür kommen aus Europa –insbesondere aus Deutschland. Unser gemeinsames Ziel ist klar: Wir wollen diese Kernkompetenz für den Autobau des 21. Jahrhunderts stärken."

Die Umsetzung dieser neuen Form der Mobilität ist jedoch nicht nur eine Frage des technologischen Fortschritts. Die Menschen müssen auch bereit sein, auf solche Verkehrsmittel umzusteigen. "Wir dürfen die Frage der Akzeptanz nicht unterschätzen", betonte Élisabeth Borne, Verkehrsministerin in Frankreich. "Ein Drittel der Bürger steht diesen Technologien immer noch misstrauisch gegenüber." Einige der im Rahmen des Projekttages vorgestellten Forschungsprojekte beinhalten die Dimension der sozialen Akzeptanz parallel zu eher fachspezifischen Themen.

Aufbauend auf digitalen Stärken

Die Beteiligung Luxemburgs an einer Reihe von Projekten zum autonomen und vernetzten Fahren wird durch seine starke Automobilzulieferindustrie und seine Position als internationale digitale Drehscheibe untermauert. Das Land spielt eine führende Rolle in der laufenden paneuropäischen Initiative für High-Performance-Computing und ist hochspezialisiert auf Cybersicherheit und die Speicherung und den Umgang mit sensiblen Daten. Die intelligente Mobilität ist ein integrierter Bestandteil der nationalen digitalen Strategie, und eines der drei während des Projekttages getesteten autonomen Fahrzeuge wurde ebenfalls vom Interdisziplinären Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) der Universität Luxemburg entwickelt.

Luxemburg macht auch Fortschritte im Bereich 5G, einer wesentlichen Technologie für das vernetzte Fahren. Eines der ersten Projekte, welches das digitale Testfeld nutzt, 5G-CroCo, wird sich der Herausforderung stellen, automatisierte und vernetzte Fahrzeuge über Landesgrenzen hinweg ununterbrochen zu verbinden und so zwischen den Mobilfunknetzen mehrerer Länder zu wechseln. "Im Rahmen dieses Projekts wird bereits 2019 eine 5G-Infrastruktur auf dem Testfeld aufgebaut", sagte Herr Auert.

"Luxemburg war immer in der Lage, sich neu zu erfinden und Risiken einzugehen, um seine Wirtschaft zu entwickeln", betonte Minister Schneider. "Wir sind in der Lage, schneller voranzukommen und neue Lösungen zu finden als größere Länder. Wir werden nun alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass aus diesen neuen Technologien Produkte entstehen, die so schnell wie möglich auf den Markt gebracht werden können und für unsere Bürger nützlich sind".

Quelle: Luxembourg Trade and Invest und Gemeinsame Pressemitteilung vom Ministerium für Wirtschaft und Ministerium für Mobilität und öffentliche Arbeiten

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