31.05.2018

Interview mit Alphonse Stremler

Alphonse Stremler | Foto Joel M. Miller

Alphonse Stremler befasst sich mit dem Potenzial der digitalen Vernetzung in der Prozess- und Fertigungswelt. Mit der Idee, gesamte Wertschöpfungsketten von Industrie- und Transportunternehmen im Optimum zu steuern, hat er sich vor 24 Jahren als STREMLER AG selbständig gemacht.

JJ: Alphonse, seit einigen Jahren setzen Sie, zusätzlich zur traditionellen Supply Chain Beratung, spezifisch entwickelte softwarebasierte Highspeed-Planungs- und Steuerungssysteme in Ihren Projekten ein. Was war die Motivation?

AS: Die Kombination aus Supply Chain/Logistik Optimierung und dem Einsatz neuester Technologien zur Planung und Steuerung bis hin zu KI, stärkt die verantwortlichen Menschen in allen Aufgabenbereichen. Durch die steigenden Ansprüche der Kunden, wie zum Beispiel immer individuellere Produkte, häufige Auftragsänderungen und kürzere Lieferzeiten, sind die Zusammenhänge in den Fertigungen, den Produktionsnetzwerken und der Distribution sehr komplex geworden.

Den Dschungel der steigenden Komplexität vereinfachen wir durch Plattformen, die wir mit unseren Systemen abbilden, und erreichen durch enorme Rechenleistung Vereinfachung und Transparenz.

JJ: Sie sind in Luxemburg auf einem Bauernhof aufgewachsen. Wie hat Sie Ihre Herkunft geprägt? 

AS: Auf einem Bauernhof lernt man hautnah die Grundlagen des Wirtschaftens. Wir Kinder wurden in alle Entscheidungen einbezogen. So haben wir unsere Eltern überzeugt, moderne Maschinen wie Traktoren anzuschaffen und waren aus diesem Grund bereit, sehr bescheiden zu leben. Später haben wir beobachtet, dass der Einsatz der modernen „Technologien“ uns das Überleben gesichert hat.

Wie viele meiner Kollegen bin ich nach Aachen an die RWTH gegangen. Und anschließend hatte ich spannende Aufgaben als Vorstand in global operierenden Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Österreich. Im Rahmen meiner Selbständigkeit habe ich mich gefreut nach Luxemburg zurückzukehren, in Form von Supply Chain Optimierungen u.a. bei ArcelorMittal und CFL Cargo.

JJ: Wie können ideale Wertschöpfungsketten die Zukunft verbessern?

AS: Für die Zukunft unseres Planeten ist der optimale Einsatz von Ressourcen extrem wichtig. Und Organisation ist eine der Stärken unserer europäischen Kultur. Unsere Vision ist es, alle Ressourcen in der Produktion und Logistik mit steigender Effizienz und präziser Geschwindigkeit immer besser zu steuern. Dadurch vermeiden wir jegliche Verschwendung von Material, Zeit, Arbeitskraft und Energie.

JJ: Möchten Sie uns hier ein praktisches Beispiel nennen?

AS: Ja, gerne. Allein die Echtzeit-Transport-Ladungsoptimierung bei Speditionen ermöglicht heute eine um 30 Prozent höhere Auslastung der LKW-Ladeflächen für Europa-Belieferungen. Dabei gehen gleichzeitig die Transportkilometer um mehr als 20 Prozent zurück. Auch im europäischen Rail-Cargo Netz führt Echtzeit-Steuerung zu erheblich kürzeren Transportzeiten, bei hoher Flexibilität und niedrigen Kosten. So gewinnen Transportunternehmen an Wettbewerbsfähigkeit und die Lieferketten werden immer umweltfreundlicher.

Was das Zusammenspiel von produzierenden Firmen und vernetzter Produktionslogistik betrifft, so werden in Zukunft unternehmensübergreifende Lösungen und Echtzeit-Dialog über die Systeme eingesetzt werden. Die Lösungsansätze auf Basis digitalisierter Echtzeit-Steuerung für Produktionen in Branchen wie Automotive-, Maschinenbau-, Chemie-, Energie-, Bau-, Textil- und Stahlindustrie ermöglichen Ergebnisse von bis zu 20 Prozent mehr Leistung bei gleichem Ressourceneinsatz und 30 Prozent weniger Mittelbindung. Durch die optimale Organisation und Anwendung von intelligenten Highspeed-Technologien bekommt der Mensch den Freiraum, seine Ziele, seine Innovationen und nachhaltiges Wachstum leicht zu verwirklichen.

 

 

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